Vorkommen:
Die zu den Schwarzkäfern (Tenebrionidae) gehörenden Getreideschimmelkäfer
(Alphitophagus spp. und Alphitobius spp.) sind in wärmeren Ländern beheimatet,
wurden aber hierzulande schon Mitte des vorigen Jahrhunderts in verpuzten
pflanzlichen Abfallprodukten gefunden.
Als Pilzfresser sind sie unter der Rinde von Holzstöcken, in Nestern von Vögeln
und Säugetieren, an feuchten Stellen von Mühlen und Bäckereien und in zu feucht
gelagertem Getreide etc. anzutreffen.
Seit Mitte der 50er Jahre häufen sich die Meldungen über das Massenauftreten
von Alphitobius diaperinus in Hühnerfarmen und Schweineställen, zunächst aus
den USA, dann aus England, Dänemark und Deutschland.
Wahrscheinlich mit dem Mastfutter eingeschleppt, kann sich der Schädling in
feuchten Ställen in den unteren Schichten der Bodenbeläge, in Fußbodenritzen,
Zwischenböden und Isoliermaterialien stark vermehren.Biologie:
Der Käfer ist glänzend schwarzbraun, hat einen gestreckten, eiförmigen
Körperumriß und ist 5,5 - 7 mm lang. Das etwa 1,5 mm lange Ei ist elliptisch,
beiderseits leicht eingedellt und weiß. Die mehlwurmartig langgestreckten
Larven sind 2 - 15 mm lang und von gelb-brauner Farbe mit dunklen
Segmentgrenzen. Die 6,5 - 7 mm lange Puppe ist weiß und hat scharf abgegrenzte
Hinterleibsringe und zwei Dornen am Ende.

Bei 25 0C dauert der vollständige Entwicklungszyklus (Eizeit, Larvenentwicklung
mit 7 Stadien, Puppenruhe) ca. 6 Wochen. Die Eiablage erfolgt in Schüben von 12
- 30 Eiern einzeln an das Nährsubstrat oder mit der 3 mm lang ausstreckbaren
Legeröhre in Futterklumpen. Bei 90 % r. F. und 25 0C ist eine Eiproduktion bis
zu 264 Tagen möglich.
Larven und adulte Käfer haben die Angewohnheit, ihre Lebensräume zu verlassen
und Verstecke aufzusuchen, sobald sich Umweltfaktoren ändern, wie z. B.
sinkende Temperaturen oder andere Faktoren, die ihren Entwicklungszyklus stören.
Dieses Verhalten ist bei der Bekämpfung zu beachten.
Eine Vermehrung der Käfer bei 15 0C ist nicht mehr möglich, wenn auch bei
dieser Temperatur ihre Entwicklung vollendet werden kann.Schäden
Sein Auftreten kann ernste hygienischen Probleme mit sich bringen:
Die Käfer nehmen pathogene Salmonellen und E. Coli Stämme auf, ohne selbst zu
erkranken, und können diese Keime über längere Zeit ausscheiden und verbreiten.
Außerdem stehen die Tiere im Verdacht, verschiedene Viruskrankheiten der Hühner
sowie von Fusarien erzeugte, für Schweine pathogene Mycotoxine, zu übertragen.
Die Larven sind als Materialschädlinge einzustufen, da sich auch
Isoliermaterialien wie Styropor etc. anbohren und schädigen.
Die Larven sind nicht nur phytophag, sondern fressen auch andere Insekten. Sie
haben sich auch in tote oder sterbende Küken eingebohrt. Im letzten Stadium
baut sich die Larve eine Puppenwiege an einem geschützten Platz und verharrt
darin als Vorpuppe unbeweglich und eingekrümmt bis zur Puppenhäutung.
Bekämpfung
Im Sinnes eines integrierten Bekämpfungsprogrammes sollten zunächst sämtliche
Bereiche, wo sich Feuchtigkeit sammeln oder niederschlagen kann, trockengelegt
und gründlich gereinigt werden.
So wird einem Pilzwachstum vorgebeugt und den Schädlingen die wichtigste
Nahrungsgrundlage entzogen. Es ist darauf zu achten, Ställe, Lager, Schuppen
etc. häufig zu lüften und Abfälle, Stroh, Exkremente u.a. zu entfernen.
Grundsätzlich gilt, daß Verstecke, in denen sich die Tiere verkriechen können,
beseitigt werden können (Fugen, Ritzen, doppelte Böden u.a.) Als
Dichtungsmaterialien können Schäume, Siliconpasten etc. benutzt werden.
Eine erfolgreiche Bekämpfungsstrategie muß das Migrationsverhalten des
Glänzendschwarzen Getreideschimmelkäfers berücksichtigen. Bereits während der
Ausstallungsarbeiten und anschließender Reinigung von Hühnerställen, verlassen
Larven und Käfer ihre Verstecke im Bodenbereich, laufen die Wände entlang und
suchen sich neue Verstecke, meist im unteren Dachbereich. Eine
Insektizidbehandlung nach diesen Arbeiten hätte wenig Erfolg, da die Tiere in
ihren Verstecken kaum zu erreichen sind.
Aus diesen Gründen sollte eine Residualspritzung unmittelbar vor der Ausstallung erfolgen. Beim Verlassen Ihrer Verstecke laufen die Tiere über diese Unterlagen
und kontaminieren sich mit dem Insektizid. Zur Bekämpfung eignen sich Mittel
wie Solfac, Responsar oder Baythion, die als Spritzbelag im Bodenbereich und
bis zu 2 m Höhe an den Wänden ausgebracht werden. Zusätzlich sollten die
Ställe, sobald sie leer sind, mit Pyrethrum Kaltnebel oder dem Mafu-NA
ausgenebelt werden. So werden noch verbleibende Käfer und Larven durch den
Austreibeeffekt dieser Mittel aus ihren Verstecken getrieben und durch das
Laufen über die frischen Spritzbeläge sicher abgetötet.
Laboruntersuchungen der Fa. Bayer zeigten, daß 30 - 40 mg Solfac/m2
Stalloberfläche nötig
sind, um einen vollständigen Bekämpfungserfolg zu erzielen. Das entspricht 120
- 160 ml Produkt auf 10 1 Wasser bei einer Aufwandmenge von 50 ml pro m2 (30-40
mg Wirkstoff pro m2).
Für die beiden anderen Produkte gilt analog:
- Responsar, 30 - 40 ml Produkt auf 10 1 Wasser, 50 ml / m2 Aufwandmenge (18,75
- 25 mg Wirkstoff pro m2)
- Baythion, 30 - 40 ml Produkt auf 10 1 Wasser, 100 ml / m2 Aufwandmenge (150 -
200 mg Wirkstoff pro m2). Bei gegenüber dem Wirkstoff Phoxim
minderempfindlichen Insektenstämmen kann es notwendig sein, die
Wirkstoffkonzentration zu verdoppeln.
Bei Holzböden und - wänden oder Unterlagen in besonders schlechtem Zustand
empfiehlt es sich, die Aufwandmengen zu verdoppeln.
Nach dem Spritzen und Ausnebeln sind die Räumlichkeiten für 5 - 6 -Stunden
dicht verschlossen zu halten. Danach muß für 6 - 12 Stunden kräftig gelüftet
werden, bevor die Neubelegung der Ställe erfolgen kann.